Tempel des dunklen Lichts


Tempel des dunklen Lichts

Lehrschrift der Loge: Tempel des dunklen Lichts


Der saturn-magische Weg der Erkenntnis


Um sich dem Thema anzunähern, werden wir als erstes die astrologischen Ausdeutungen Saturns wiedergeben.

Die Aspekte Saturns sind gegenüber Sonne, Merkur und Jupiter freundlich, gegenüber Venus, Mond und Mars gespannt. Den Entsprechungen nach herrscht der Saturn über das Alter, den Knochenbau und die Haut des Menschen. An Pflanzen unterstehen ihn der Schierling und alle alkaloidhaltigen Nachtschattengewächse, sowie der Fliegenpilz und der Mohn.

Den psychologischen Prägungen nach bedingt der Saturn Starrköpfigkeit, Schwermut, Nachdenklichkeit, Vorsicht und Verschlossenheit. In ungünstiger Stellung bewirkt er Verlust, Einsamkeit, Enttäuschung und Unglück. In günstiger Stellung verleiht er klare Visionen und aufrichtige Treue. Der Tradition nach wird er mit ruhigen Orten, Mineralien, Stätten der Gelehrtheit und dem Okkultismus in Verbindung gebracht.

Unjugendlichkeit bis Jugendfeindlichkeit, Machtgier und Herrschsüchtigkeit wurden dem Saturn im Laufe der Jahrhunderte zunehmend nachsagt. Im Mittelalter wurde die Ansicht vertreten, es mit dem weitaus bösesten Planeten zu tun zu haben, dies könnte begründet sein in seiner großen Entfernung von der Erde.

Die Magie und der Okkultismus gelten als besonders stark von Saturn beeinflusst.  Nekromantische Arbeiten ebenso wie der Anfertigung von prophetischen Mixturen werden mit Saturn assoziiert. Onyx oder Saphir in Blei gefasst gelten als Talismane des Saturns.


Grundlegende Eigenschaften:

Begrenzung, Bewahrung, Beschränkung, Disziplin, Einschränkung, Ernst, formgebende Kraft, Hüter der Schwelle, Kontraktion, Karma, Konzentration, konservativ, Leiden, Negativität, nicht anpassungsfähig, Ökonomie, Pessimismus, Reserve, stechend, Schicksal, Schweigen, Tradition.

Assoziationen die mit Saturn in Verbindung stehen:


Körperlich:

Knie, Zähne, Arterien, Rückgrat und Knochen,  die Galle (in Verbindung mit Mars), die Haut (in Verbindung mit Venus)

Krankheiten:

Alles was chronisch ist, Abmagerung, Steinleiden, Rheuma, Gicht, Arteriosklerose, Zahnerkrankungen

Charaktertypische, gesellschaftliche und berufliche Assoziationen:

Arbeiter, Archäologen, Ärzte, Asketen,  Bankiers, Computerprogrammierer, Fahnder, Farmer, Geheimwissenschaftler, Geologen, Geschäftsleute, graue Eminenzen, Eremiten, Großeltern, Hausbesitzer, Kontrolleure, Onkel und Tanten, Mahner, Metallarbeiter, Nonnen, Prüfer, Prüfungskommission, strenge Lehrer, Seniorchef, Bewahrer von Traditionen, Vermieter

Positive Neigungen:

Ausdauer, gutes Geschick im Verhandeln, Geduld, Erkennung des Wesentlichen, Fähigkeit abzuwarten, Konzentration, Vorsicht, Zähigkeit, weitsichtige Ziele

Negative Neigungen:

Angst, falsche Härte, Hemmungen, Freude am Leid anderer, Rachsucht, List, Gemütskälte, Geiz, Unbarmherzigkeit, Neid, Tücke, Rachsucht, kühles Handeln

Ziele:

Erkennen und Prüfen des Wesentlichen, Studieren der Grundlagen der Philosophie, die Suche und das Finden des Steins der Weisen, Erlangen von Selbstbeherrschung, Bewahrung von Werten und Besitz

Die astronomische Betrachtung des Saturn:

Mit einem Äquatordurchmesser von 120.500 km gilt der Saturn als zweitgrößter Planet unseres Sonnensystems und zählt zu den Gasriesen.

Weiterhin ist er von den äußersten Planeten der letzte, der noch mit bloßem Auge erkennbar ist, was dazu beigetragen hat, dass er bereits lange Zeit vor Erfindung des Fernrohrs  entdeckt wurde und galt deswegen auch viele Jahrtausende, bis zur Entdeckung von Uranus und Neptun, als der äußerste Planet unseres Sonnensystems.

Seine synodische Umlaufzeit beträgt knappe 378 Tage. Seine Helligkeit kann mit den helleren Fixsternen verglichen werden und er kann ähnlich zyklisch wie Mars und Jupiter beobachtet werden.

Seine Farbe ist ein mattes gelb bis orange. Saturn hat in seiner Zusammensetzung große Ähnlichkeit mit Jupiter. Beide haben nicht nur deutlich abgeflachte Pole, sondern weisen auch Beide eine fast identische Beschaffenheit der Oberfläche und des Kerns auf. Auch besitzen sie von allen Planeten die geringste Dichte. Saturn ist von einem recht komplexen Ringsystem aus Eis und Gesteinsbrocken umgeben.

Der imposante Planet Saturn


Die Bedeutung Saturns für den Tempel des dunklen Lichts


Nachdem wir nun die Eigenschaften Saturns in der Astrologie und Astronomie wiedergegeben haben, stellt sich die Frage nach der Einschätzung des saturnischen Prinzips für den Magier des Saturns aus Sicht

Da unser Zirkel in drei Bereiche unterteilt ist, in einem äußeren Zirkel, der sich damit befasst den Mitgliedern erst einmal einen Überblick über die Themenbereiche der Magie in Theorie und Praxis zu verschaffen, einen inneren Bereich, der Loge, die sich mit Saturnmagie befasst und nur von den Mitgliedern im inneren Zirkel gedeckt wird und einen weiteren Bereich, den Orden, zu dem nur Mitglieder des inneren Zirkel zutritt haben, die auch in den Orden initiiert wurden, müssen alle drei Bereiche auch formal definiert und ausgestaltet werden.

Durch die kurze Wiedergabe der Zirkelstruktur wird ersichtlich, dass das saturnische Prinzip und dessen Erkenntnis und Magie von gewichtiger Bedeutung für den Tempel des dunklen Lichtes ist. Wobei der Zirkel Name nicht nur auf Saturn als das dunkle Licht der Erkenntnis anspielt, sondern im Allgemeinen auf die strengeren Prinzipien im kosmischen Zusammenspiel von Charakteren und Eigenschaften von Wesenheiten und Kräften. Dementsprechend steht der Zirkel der schwarzen Säule der Strenge im kabbalistischen System näher als der mittleren Säule des Ausgleiches und der weißen Säule der Gnade. Trotzdem sind Bruder und Schwester des Tempels immer bemüht einen Ausgleich zu halten, damit aus übermäßiger Strenge, keine Grausamkeit resultiert. Denn in seiner unausgeglichenen Form wendet sich die Strenge Saturns in Grausamkeit und verlässt somit den Bereich der Gerechtigkeit, was karmische Folgen nach sich ziehen wird, denn Saturn ist ein strenger Lehrer.

Die Frage, die an dieser Stelle beantwortet werden soll, ist, inwiefern bekannte Konzepte anderer saturn-magisch arbeitender Logen in den Tempel des dunklen Lichts übernommen werden können.

Begonnen wird mit dem Begriff der mitleidlosen Liebe, diese besagt, dass jeder Adept des Tempels des dunklen Lichts insbesondere seinen Brüdern und Schwestern und ebenso allen anderen Menschen in mitleidloser Liebe begegnen soll. Dies heißt, seinen Gegenüber Klarheit darüber zu verschaffen, in welcher Hinsicht er oder sie fehlt, ihn nicht den Spiegel der Schmeichelei vorzuhalten, ihn nicht aus falscher Rücksichtnahme zu verschonen und das Unkraut weiter wuchern zu lassen, sondern Gerechtigkeit walten zu lassen und die Sichel anzusetzen. Das Urteil eines Bruders oder einer Schwester des Tempels des dunklen Lichts sollte nicht durch Hoffertigkeiten, wie dem Beugen vor Ansehen, Ruhm, Geld, Macht und sexuelle Anziehungskraft des Gegenübers oder das Haschen nach Vorteilen geprägt sein. Sein Urteil sei immer frei von Korruption, klar und objektiv, so dass sich sein/ihr Gegenüber und dessen Taten in den Brüdern und Schwestern des Tempels spiegeln kann und kein Zerrbild der Wirklichkeit entsteht, in welchen das Gegenüber seine Fehler und Leidenschaften als positiv noch verstärkend wirkend sieht. Es liegt in der Verantwortung jedes Bruders, jeder Schwester diese Zerrbilder möglichst zu vermeiden und in Nüchternheit, Klarheit zu schaffen. Mitleidlose Liebe bedeutet somit, den anderen die Karten offen zu legen und somit zu helfen die Hemmnisse in seiner Entwicklung beiseite zu räumen. Dies mag manches Mal hart anmuten und wirken, doch ist es auf dem Weg zur höheren Entwicklung der Geist-Seele von großer Bedeutung, dass ehrlich miteinander umgegangen wird, jeder mit sich selbst und jeder mit dem anderen, in Liebe, die nicht einem Versorgen und Umsorgen einer alles dem Bruder /der Schwester abnehmenden Venus entsprechen würde, sondern in Liebe, die mitleidlos, den Einzeln vorantreibt, selbstständig seinen Weg zum Licht zu finden und zu beschreiten, die nicht belügt und schmeichelt, weil es einfacher wäre. Denn im Indischen heißt es: Yenāham nāmṝtā syam / Kim aham tena kuryām (Was soll ich mit den Dingen, die mich nicht unsterblich machen können.)

Ein weiteres Konzept, was wir in den Saturnlogen unserer Zeit finden, ist die Annahme, dass Saturn sich in zwei Oktaven einteilen ließe, somit die obere Oktave Lucifer und die untere Oktave Satan zugeteilt würde. Wir lehnen diese Unterteilung ab, da wir diese Einteilung nicht im geringsten nachvollziehen können, und wir nicht sehen, wo die Wesenheiten Satan oder Lucifer saturnische Aspekte in sich bergen. Des Weiteren kommt es uns ein wenig so vor, als ob sich dieses System nur auf der althergebrachten Annahme des Saturns als Übeltäter im Horoskop und Satan/Lucifer als Übeltäter im Allgemeinen beziehen würde. Daher kommt sie im magischen System des Tempel des dunklen Lichts nicht vor. Wohl mag es sein, dass Lucifer die Möglichkeit zum Zugang zu den uranischen Kräften liefern kann, doch mit Sicherheit nicht, weil Lucifer saturnisch, sondern höher potenziert uranisch sein könnte bzw. sich dahingehend wandeln kann.

Die Formel Saturns, mit der im Tempel des dunklen Lichts gearbeitet wird, bezieht sich nicht auf den gnostischen Aspekt, Saturn als Demiurgen, es heißt bei uns also nicht „In Nomine Demiurgi Saturni“ sondern „In Nomine Sancti Saturni“. Das ist nicht unwichtig. Wir sprechen Saturn nicht als den an, der das Licht eines unteren Lichtäons, der Sophia, in der Materie gefangen hält und selbst nur blinde Materie, Hyle ist. Wir sprechen Saturn eher im Sinne des kabbalistischen Systems an, in dem wir ihn als Binah sehen, eines der drei obersten Lichter am Baum des Lebens.

Die Übernahme des crowleyanischen Systems, Thelema, in eine Saturnloge ist uns von der Logik her unklar. Thelema ist unseres Erachtens mit den Eigenschaften Saturns unvereinbar, da die Eigenschaften Saturns Nüchternheit und die gewisse Erkenntnis beinhalten, dass alles was in Form ins Sein gelangt, auch wieder in Form zugrunde gehen wird. Wir sehen jedoch in den oberen drei Sephiroth, die hinter dem Abyssus liegen, von denen Saturn eine ist, das Tor zur Unsterblichkeit. Dieses Tor der Unsterblichkeit kann nur der Durchschreiten, der seine Kräfte bündelt und sich so, durch Konzentration auf das Wesentliche, aus der Form befreit und sodann ewig lebt. Wer sich energetisch jedoch verausgabt und in Formen, wie das Liber Al sie beispielweise vorlegt, fangen lässt, wie soll dieser die Unsterblichkeit erreichen? Eine kontinuierliche höher Polung und Reinheit des Energiekörpers, die für den anhaltenden Aufstieg durch die Ebenen und Welten unabdingbar ist, kann so nicht gewährleistet werden.

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IN NOMINE SANCTI SATURNI

Version Juni 2014

*ASAPHIM* +++ *LUMINUS* +++ *VIA VERITAS*